Was ist Galenik?

Pflaster
Das Pflaster – eine von vielen möglichen Darreichungsformen (© Janssen Cilag)
Bevor ein Arzneistoff wirken kann, muss er zunächst dorthin gelangen, wo er seine Aktivität entfalten soll. Je nachdem, wie der Wirkstoff aufgenommen wird, kann dieser Weg lang und mit vielen Hindernissen gespickt sein.

So gelangt beispielsweise der Arzneistoff aus einer Tablette zunächst in den Darm, von da aus ins Blut und mit diesem direkt in die Leber. Leberzellen sind äußerst leistungsfähige chemische Fabriken, die unter anderem die Aufgabe haben, aufgenommene Substanzen vor ihrer Rückführung in den Blutkreislauf so zu verändern, dass sie vom Organismus besser genutzt oder leichter wieder ausgeschieden werden können. Dieser Prozess bleibt auch einem Arzneistoff nicht erspart. Sprich: Hier kommt es darauf an, dass der Wirkstoff seine Reise durch den Körper unbeschadet übersteht. Wird der Wirkstoff während dieser ersten Leberpassage chemisch verändert und damit inaktiviert, sprechen Pharmakologen von einem „First-Pass-Effekt“. Dieser Effekt lässt sich nur mit Darreichungsformen umgehen, bei denen der Wirkstoff gleich „hinter der Leber“ ins Blut gelangt, etwa über eine Injektion oder ein Wirkstoffpflaster.

Der „Umweg“ über den Verdauungstrakt nimmt aber auch Zeit in Anspruch. So dauert es erfahrungsgemäß etwa 30 Minuten, bis beispielsweise eine Schmerztablette spürbar wirkt. Sehr viel schneller geht es, wenn der Arzneistoff als Injektionslösung direkt ins Blut gespritzt wird. Bei dieser Darreichungsform tritt die Wirkung häufig schon während der Injektion ein. Auch Nasensprays oder Inhalationen können sehr kurzfristig wirksam sein.

Weitere Darreichungsformen sind Zäpfchen, Lutsch- und Brausetabletten, Pflaster sowie Salben und Lotionen. In der modernen Medizin kommen außerdem immer öfter so genannte Liposome zum Einsatz. Durch ihre „Verpackung“ in einer Flüssigkeit sind sie besonders geeignet, Wirkstoffe an bestimmte Stellen des Körpers zu transportieren – beispielsweise in der Krebstherapie. Auf dem Weg an ihren Zielort sind die Wirkstoffe durch die "Liposomenhaut" gut gegen die zerstörende Wirkung von Enzymen geschützt. Mit Hilfe von Fremdmolekülen, die in das Liposom eingebaut werden, kann außerdem der Bestimmungsort des Wirkstoffs festgelegt werden.

Die Kunst, Arzneistoffe in geeignete Transportformen zu verpacken und sie dadurch zu wirksamen Arzneimitteln zu machen, wird Galenik genannt. Namensgeber für diese Teildisziplin der Pharmazie ist der griechische Arzt Galenus von Pergamon, der vom Jahr 129 bis 199 unserer Zeitrechnung lebte. Er war Leibarzt mehrerer römischer Kaiser und hat eine umfangreiche Schriftensammlung über das damalige medizinische Wissen angelegt.

Schritt für Schritt zum neuen Medikament

Moderne Arzneimittel sind Hightech-Produkte. Und Hightech ist auch nötig, um sie zu entwickeln: neueste chemische und biochemische Analyse- und Synthesetechnik, gentechnische Labors, Supercomputer, Roboter, Mikrochips usw. Pharmaforscher und ihre Mitarbeiter müssen top-qualifiziert sein, um mit Hilfe dieser Technik, ihrer Erfahrung und den allerneuesten biomedizinischen Forschungsergebnissen neue Wege zu den Medikamenten von morgen zu ebnen. Der lange Weg zum Lebensretter - ein Blick hinter die Kulissen der Medikamentenentwicklung.

Ausgangspunkt Krankheit: Gibt es neue Erkenntnisse?

Startschuss für ein Projekt: Für welche Krankheit gibt es bisher nur unzureichende oder noch gar keine medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten?
Weiterlesen

Die Suche nach dem "Target"

Es wird ein Angriffspunkt (Target) im Krankheitsgeschehen ermittelt, an dem ein Wirkstoff ansetzen und so den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnte.
Weiterlesen

Das Screening: 300.000 Tests pro Tag

Ist ein geeignetes Target gefunden, kann die Suche nach einem Wirkstoff beginnen. Diese Suche besteht am Anfang in erster Line aus unendlich vielen Tests.
Weiterlesen

Chemische Optimierung: Nicht jeder Hit ist ein Renner

Auf der Grundlage der Hits erzeugen Chemiker abgewandelte Substanzen, die sie weiter untersuchen.
Weiterlesen

Präklinik: Umfassende Sicherheitsprüfungen

Zentral wichtige Vortests und toxikologische Prüfungen: Was wirkt wirklich? Wie reagieren die Stoffe im Gesamtorganismus? Nur Substanzen, die sich bewähren, kommen als Wirkstoffkandidaten in Betracht.
Weiterlesen

Die Phase I: Studien mit wenigen Gesunden

Die heiße Phase: Es wird erstmals geprüft, wie sich geringe Mengen des Wirkstoffkandidaten im menschlichen Körper verhalten.
Weiterlesen

Entwicklung der Darreichungsform: Tablette oder Salbe?

Für den Wirkstoff wird eine Darreichungsform entwickelt, z.B. eine Tablette, Kapsel, Salbe, ein Zäpfchen oder ein Wirkstoffpflaster.
Weiterlesen

Die Phasen II und III: Prüfung mit Patienten

Studien mit Kranken: Erstmals setzen Ärzte ein Medikament mit dem Wirkstoffkandidaten bei Patienten ein.
Weiterlesen

Die Zulassung

Experten der Zulassungsbehörden vieler Länder prüfen die eingereichten Daten aus allen Phasen der Entwicklung des Arzneimittels sowie zur Herstellung des Arzneimittels und den dabei vorgesehenen Qualitätskontrollen.
Weiterlesen

Phase IV: Nach der Zulassung

Ein Forscher hört nie auf zu forschen. Auch nach der Markteinführung stellt er sich Fragen, z.B.: Wirkt das Medikament auch gegen andere Krankheiten?
Weiterlesen

Erfolgsraten

Nicht jedes Forschungsprojekt führt zu einem neuen Medikament.
Weiterlesen

Newsletter

Jetzt Abbonieren
Medizin

Deutsche werden immer älter

Eine beeindruckende Zahl: Heute leben Deutsche im Durchschnitt mehr als 30 Jahre länger als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. ...
Weiterlesen
Gesundheits-Check

Der Methusalemcheck

Wollten Sie schon immer wissen, wie alt Sie werden können? Dann wagen Sie den Blick in die Zukunft: Mit unserem Methusalemcheck.
Weiterlesen
Gesundheits-Check

Zeitmaschine

Sie möchten wissen, wie Sie in 30 Jahren aussehen? Ein paar Falten mehr, aber hoffentlich kerngesund!
Weiterlesen
Gesundheits-Check

Typ-2-Diabetes: Risiko-Check

Könnte bei Ihnen ein Risiko vorhanden sein, an Typ-2-Diabetes zu erkranken?
Weiterlesen