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Neues Antibiotikum gegen resistente Bakterien entdeckt

Multiresistente Erreger von Lungenentzündungen ein Problem (© medical picture)
"Penicillin sei Dank! Er wird heimkommen!" So lautete Anfang der vierziger Jahre ein Slogan, mit dem die Alliierten während des Zweiten Weltkrieges den Angehörigen von verwundeten Soldaten Hoffnung machen wollten. In der Tat rettete der von Alexander Fleming entdeckte Stoff damals vielen Menschen das Leben. Mit den Antibiotika wollte man sämtliche Infektionskrankheiten für immer von der Erde verbannen. Doch heute sind die einstigen Wundermittel keine unfehlbare Waffe mehr. Denn einige Bakterienstämme haben Tricks entwickelt, der Wirkung vieler Antibiotika zu entgehen – sie sind gegen diese Wirkstoffe resistent geworden.

Wissenschaftler eines dänischen Unternehmens haben nun ein Antibiotikum entdeckt, das selbst solchen mehrfachresistenten Bakterien zu Leibe rückt. Der neue Hoffnungsträger heißt Plectasin und stammt aus dem Glänzenden Schwarzborstling, einem Pilz, der in den Kiefernwäldern Nordeuropas zuhause ist. Die Substanz gehört zur Gruppe der Defensine. Das sind kleine antibakteriell wirkende Eiweißmoleküle, die auch auf der menschlichen Haut und in den weißen Blutkörperchen zu finden sind. Ebenso produzieren die meisten Tierarten diese Moleküle zum Schutz vor Infektionen.

Das Plectasin aus dem Pilz wirkt aber wahrscheinlich um ein Vielfaches stärker. Im Test an Mäusen fanden die Forscher heraus, dass dieses Antibiotikum auch solche Erreger der Lungenentzündung ausschaltet, gegen die übliche Antibiotika inzwischen keine Chance mehr haben. Plectasin ist das erste Defensin, das in einem Pilz entdeckt wurde. Daher erhoffen sich die Wissenschaftler künftig weitere Erfolge: Etwa 200.000 weitere Pilzarten stehen in der Warteschlange als Erfolg versprechende Defensin-Produzenten.

Resistente Bakterien auf Reisen

Gerade in Krankenhäusern bereiten mehrfachresistente Erreger von Lungenentzündungen Ärzten und Forschern Kopfschmerzen. Oft lassen sich Infektionen mit diesen "Superkeimen" nicht mehr erfolgreich behandeln. So wandern die Bakterien von einem Patienten zum anderen. Zur weltweiten Verbreitung resistenter Erreger trägt unter anderem der internationale Flugverkehr bei, der die kleinen Widerstandskämpfer in alle Gegenden der Erde chauffiert. Zum Beispiel Pneumokokken ließen sich auf Island gut behandeln, bis vor einigen Jahren eine Familie aus Reykjavik aus einem Urlaub in Spanien Pneumokokken mitbrachte. In Spanien ist etwa die Hälfte der Stämme gegen mehrere Antibiotika resistent. Jetzt liegt die Rate der mehrfachresistenten Pneumokokken in der isländischen Hauptstadt bei 80 Prozent.