Deutsche werden immer älter

Eine beeindruckende Zahl: Heute leben Deutsche im Durchschnitt mehr als 30 Jahre länger als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aktuell liegt die Lebenserwartung bei 82 Jahren für Frauen und bei 77 Jahren für Männer – und der Trend hält an. Laut Prognosen des Statistischen Bundesamts steigt die durchschnittliche Lebenserwartung bis 2050 sogar noch um mindestens sechs bis sieben Jahre. Frauen würden dann 88 und Männer 84 Jahre alt.

Die Sterberaten sinken

Die Steigerung der Lebenserwartung verdanken wir vor allem den medizinischen Innovationen der Pharmaforschung. Das belegen die Ergebnisse der Studie „Lebenserwartung der Deutschen: Analyse, Prognose und internationaler Vergleich“ des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels. Vor allem bei den Haupttodesursachen Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs wird der Zusammenhang von medizinischem Fortschritt und sinkenden Sterberaten deutlich. Die Analysen des Rostocker Zentrums zeigen, dass in den Jahrzehnten bis 1990 im Durchschnitt jährlich rund 265 Männer beziehungsweise 225 Frauen je 100.000 Einwohner an Krebs starben. Ende der 80er Jahre dann die Wende – der Einführung neuer Immunmodulatoren und Interferonpräparate folgt ein drastischer Rückgang der Sterberate. Dank weiterer innovativer Medikamente sterben heute durchschnittlich 70 Männer beziehungsweise 60 Frauen weniger je 100.000 Einwohner an bösartigen Tumoren als noch in den 80er Jahren. Auch bei der zweiten großen Gruppe der Volkskrankheiten, den Herz-Kreislauf- Erkrankungen, ist die Sterberate seit Beginn der 1980er parallel zu der Einführung neuer Medikamente immer weiter gesunken. Die Zahl der tödlich endenden Herzinfarkte und Schlaganfälle hat sich bis heute kontinuierlich um mehr als die Hälfte verringert.
 
Krankheiten des Kreislaufsystems
Bösartige Neubildungen

 
HIV-Infektion
Eine Krankheit, bei der der Zusammenhang zwischen sinkender Sterberate und medizinischem Fortschritt auch deutlich wird, ist HIV/AIDS. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre verdoppelte sich die Zahl der Todesopfer unter der männlichen Bevölkerung fast. Mit dem kombinierten Einsatz von antiretroviralen Medikamenten Mitte der 90er begann die Sterberate der HIV-Infizierten wieder zu sinken – bis heute um über 80 Prozent.
  Baden-Württemberg ist das Bundesland mit der höchsten Lebenserwartung

Seit den 1950er-Jahren steigt die Lebenserwartung der Deutschen parallel zu den jeweils rekordhaltenden Ländern. Mit je zwei bis drei Jahren Abstand blieben wir bisher immer unter dem Höchstwert. Auch innerhalb Deutschlands gibt es eindeutige Unterschiede. In Baden-Württemberg wurden Männer im Jahr 2005 durchschnittlich 78 und Frauen 83 Jahre alt. In Mecklenburg- Vorpommern hingegen wurden Männer lediglich 74 und Frauen 81 Jahre alt. Das Ost-West- Gefälle gleicht sich jedoch seit der Wende kontinuierlich an. In allen Bundesländern steigt die Lebenserwartung, nur eben in den neuen nahezu doppelt so stark wie in den alten.
 
Unterschiede in der Lebenserwartung, Bundesland - Frauen
Unterschiede in der Lebenserwartung, Bundesland - Männer

  Länger und gesünder leben – auch dank moderner Medikamente

Der Anstieg der Lebenserwartung ist auch den Innovationen im Arzneimittelsektor zu verdanken. Das bestätigt die Direktorin des Rostocker Zentrums, Prof. Dr. Gabriele Doblhammer-Reiter: „Besonders bei der Indikation Bluthochdruck trägt die gute Versorgung mit Medikamenten erheblich dazu bei, dass immer weniger Menschen an Herzinfarkten und Schlaganfällen sterben.“ Der Rückgang der Sterblichkeit, so Doblhammer-Reiter weiter, und die damit verbundene höhere Lebenserwartung hingen von mehreren Faktoren ab – neben sozialen und ökonomischen Faktoren vor allem auch von der Qualität der medizinischen Versorgung.
 
Lebenserwartung nach Risiko-Profilen - Frauen
Lebenserwartung nach Risiko-Profilen - Männer

  Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, führt dazu aus: „Viele der Meilensteine in der Arzneimittelforschung fallen in das 20. Jahrhundert. Dies zeigt, dass kaum eine andere Branche einen so zentralen Beitrag für die Verlängerung der Lebenszeit leistet wie die forschenden Pharma-Unternehmen. Mit ihrer Forschungsarbeit an innovativen Arzneimitteln tragen diese kontinuierlich dazu bei, dass Menschen länger und gesund leben. Denn: Forschung ist die beste Medizin!“

Den Abschlussbericht der Studie finden Sie als Download hier:
"Lebenserwartung in Deutschland: Trends, Prognose, Risikofaktoren und der Einfluss ausgewählter Medizininnovationen"
[PDF, 2,9 MB]

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