
(© Boehringer Ingelheim)
Studien mit Kranken: Erstmals setzen Ärzte ein Medikament mit dem Wirkstoffkandidaten bei Patienten ein.
In der Phase II der klinischen Prüfung wenden Ärzte den Wirkstoffkandidaten - nun verarbeitet zu einem Arzneimittel - bei typischerweise 100 bis 500 Patienten an. Sie prüfen zum einen, ob sich der gewünschte therapeutische Effekt zeigt. Zum anderen achten sie auf Nebenwirkungen und stellen fest, welche Dosierung die beste ist.
In der Phase III der klinischen Prüfung erproben Ärzte das Arzneimittel dann an Tausenden von Patienten. In dieser Phase muss die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bei einer hinreichend großen Patientenzahl nachgewiesen werden. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zu dokumentieren.
Sowohl bei Phase-II- als auch bei Phase-III-Studien werden immer unterschiedlich behandelte Patientengruppen verglichen. In manchen Fällen erhält eine Gruppe das neue Medikament, eine andere das bisherige Standardpräparat. In anderen Fällen erhalten beide Gruppen die gleiche Grundbehandlung, wobei eine Gruppe zusätzlich das neue Medikament erhält, die andere eine Nachbildung des Medikaments ohne Wirkstoff, ein so genanntes Plazebo. Wenn möglich, wissen dabei weder die Patienten noch die Ärzte, welche der beiden zu vergleichenden Behandlungen der einzelne Patient tatsächlich bekommt - die Medikamentenverpackungen tragen nur Codenummern, die in den Patientenakten vermerkt werden. Solche Studien heißen doppelblind. Mit diesem Vorgehen soll vermieden werden, dass sich Hoffnungen oder Befürchtungen angesichts der zugewiesenen Medikation auf das Behandlungsergebnis auswirken.
Erprobung für Minderjährige
Seit Januar 2007 gilt, dass jedes neue Medikament in Europa auch für Minderjährige erprobt und zugelassen werden muss, wenn die betreffende Krankheit auch bei diesen vorkommt. Für welche Altersgruppen genau, entscheidet die europäische Zulassungsagentur EMEA typischerweise nach der Phase I. In der Regel werden Studien mit Minderjährigen erst begonnen, wenn die Phase-III-Studien mit Erwachsenen schon abgeschlossen sind. Nur bei lebensbedrohlichen Krankheiten kann es geboten sein, das Medikament mehr oder minder zeitgleich mit Erwachsenen und Minderjährigen zu erproben. Phase-I-Studien mit gesunden Minderjährigen gibt es nicht.