Maßgeschneiderte Therapieformen

Forscher mit Spezialbrille bei der Arbeit mit Computer 3D-Simulation
(© Roche)
Die Auswahl von Medikamenten mit Blick auf individuelle Krankheitsfaktoren, auch genetische, wird Behandlungsmethoden zukünftig wesentlich verbessern.

Ein weiterer langfristiger Trend in der Arzneimittelentwicklung ist die Suche nach maßgeschneiderten Therapien. Ärzte sollen zukünftig Medikamente nicht nur auf Basis der Diagnose, sondern auch auf Grund weiterer Informationen über die biologischen Besonderheiten des Patienten auswählen.

Noch vor kurzem wurde dieser Ansatz eher theoretisch diskutiert. Doch heute werden bereits 13 Prozent der Erprobungen zu neuen Präparaten mit Einverständnis der Teilnehmer von so genannten pharmakogenetischen Untersuchungen begleitet. Dabei wird nach gemeinsamen genetischen Merkmalen (so genannte Marker) von Patienten gesucht, die eine andere Dosierung benötigen, auf ein Präparat nicht ansprechen oder es nicht vertragen.

Ein Beispiel für die praktische Anwendung pharmakogenetischer Erkenntnisse ist ein im November 2004 zugelassener DNA-Chip. Mit diesem briefmarkengroßen Labor lassen sich bestimmte Gene aufspüren, die für den Stoffwechsel von einem Viertel der in Deutschland verschriebenen Arzneimittel verantwortlich sind. Damit lässt sich klären, ob ein Patient zu den so genannten „schnellen Metabolisierern“ gehört. In diesem Fall zirkulieren die Wirkstoffe nur kurz im Blut und werden schnell wieder abgebaut. Dosierungen, wie sie bei anderen Patienten üblich sind, zeigen bei diesen Menschen keine oder nur eine sehr geringe Wirkung. Bei anderen Patienten sorgt der genetische „Bauplan“ dafür, dass die Wirkstoffe sehr langsam abgebaut werden. In diesen Fällen kann es zu Überdosierungen kommen, wenn beispielsweise eine neue Tablette eingenommen wird, bevor der Wirkstoff von der vorangegangenen Einnahme abgebaut ist.

Bei zehn Prozent der Patienten liegen genetische Varianten vor, die normale Medikationen wirkungslos werden lassen oder gefährlich hohe Wirkstoffkonzentrationen herbeiführen können. Gentests könnten diese Patienten künftig vor falschen Dosierungen bewahren.

Arzneimittelforscher hoffen, Krankheiten durch die Verknüpfung von Genomforschung und Medikamentenentwicklung in Zukunft wesentlich gezielter behandeln zu können. So könnten zum Beispiel bei Krebserkrankungen Biochips dabei helfen, die Therapie zu optimieren. Bei Brustkrebs analysieren Arzneimittelforscher die Krebszellen daraufhin, welche Gene bei ihnen ungewöhnlich aktiv sind und ob besondere Genvarianten auftreten. Anhand dieser Angaben soll ermittelt werden, welche Substanzen den Krebs am wirksamsten bekämpfen. Durch neue, genau auf ihre Gen-Signatur zugeschnittene Medikamente könnten unwirksame Therapien vermieden und vielen Patientinnen künftig effektiver behandelt werden.

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