Würmer sollen Allergikern helfen

Wissenschaftler untersuchen derzeit in einer Studie mit Nahrungsmittelallergikern am Universitätskrankenhaus Charité in Berlin, ob sich Allergien mit einer Wurmtherapie behandeln lassen. Besonders im Visier hat die Forschergruppe um Prof. Dr. Ulrich Wahn und Prof. Dr. Eckard Hamelmann den im Darm von Schweinen lebenden Peitschenwurm Trichuris suis.
Die Wahl der Forscher basiert auf älteren Untersuchungen, bei denen Mäuse, die mit Trichuris suis infiziert worden waren, deutlich weniger Entzündungserscheinungen hatten als nicht infizierte Tiere. Aber es gibt noch eine weiteren Grund: Trichuris suis wird bereits in der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt – oft mit einer therapeutisch interessanten Konsequenz.
Dabei bekommen die Patienten ein Gemisch aus Würmereiern des Trichuris suis zu trinken. Keine Sorge: Die Parasiten sind im Menschen nicht lange überlebensfähig und verursachen auch keine Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall. Die geschlüpften Würmer halten sich bis zu 14 Tagen im Zwölffingerdarm auf. Genug Zeit also für das Immunsystem, uns vor dem vermeintlichen Eindringling zu schützen.
Wie sich herausstellte, verbesserten sich bei einigen Patienten nach der Wurmbehandlung auch die allergischen Beschwerden – anfangs ein angenehmer Nebeneffekt, nun vielleicht als viel versprechender Therapieansatz.
Neigt ein Mensch zu Allergien, passiert Folgendes: Beim ersten Kontakt mit Fremdstoffen, sogenannten Antigene wie beispielsweise Pollen oder Bestandteile von Lebensmitteln, produziert der Körper Abwehrstoffe (Antikörper) und bereitet sich so auf eine Bekämpfung des vermeintlichen Schädlings vor. In diesem Stadium reagiert die betroffene Person noch nicht allergisch, die Ärzte sprechen vielmehr von einer „Sensibilisierung“.
Erst beim zweiten Kontakt mit dem gleichen Antigen kommt es zu einer allergischen Reaktion; das Immunsystem setzt sich jetzt zur Wehr. Bei dieser Reaktion gibt der Körper vermehrt Stoffe frei, die Entzündungen auslösen. Die allergische Reaktion macht sich unterschiedlich bemerkbar - von Juckreiz über Hautausschläge bis hin zu Durchfall, Atembeschwerden oder sogar Schockzuständen.
Die Wissenschaftler vermuten nun, dass als Reaktion auf den Befall mit den Darmparasiten eine spezielle Sorte von Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen, aktiviert werden. Von diesen T-Zellen glaubt man, dass sie die Entstehung von Allergien unterdrücken und auch vor Asthma schützen können.
So haben die Forscher bei ihren Untersuchungen mit den Darmwürmern bereits eines festgestellt: Kommt eine Person in Kontakt mit den Würmern, gerät das Immunsystem in Alarmbereitschaft – und wird quasi von allergieauslösenden Substanzen „abgelenkt“. Besonders interessant für die Wissenschaftler: Das Abwehrsystem konzentriert nun seine Kräfte nicht nur voll und ganz auf die Bekämpfung des Wurmbefalls, sondern Sensibilisierungen gegen Allergieauslöser werden zum Teil sogar wieder rückgängig gemacht. Vielleicht, so hoffen die Experten, eignen sich aus dem Parasiten gewonnene Eiweißextrakte für die medikamentöse Therapie gegen Allergien.
Eine beeindruckende Zahl: Heute leben Deutsche im Durchschnitt mehr als 30 Jahre länger als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. ...
Wollten Sie schon immer wissen, wie alt Sie werden können? Dann wagen Sie den Blick in die Zukunft: Mit unserem Methusalemcheck.
Sie möchten wissen, wie Sie in 30 Jahren aussehen? Ein paar Falten mehr, aber hoffentlich kerngesund!