Falsch gedacht: Medikamentenreste kann man ohne Bedenken in den Ausguss kippen

(© medicalpicture)
Wer kennt das nicht? Die Bindehautentzündung ist schneller abgeheilt als gedacht, die juckende Hautstelle ist verschwunden und das Fieber vom Junior, das plötzlich so heftig hereinbrach und unsere Wochenendpläne durchkreuzt hatte, ist bereits nach zwei Tagen wieder weg. Was bleibt, sind in allen drei Fällen Medikamentenpackungen, die bei weitem nicht aufgebraucht wurden.

Da stellt sich die Frage, was man damit macht: Aufheben für den Fall, dass die Krankheit in absehbarer Zeit wieder auftritt? Nein, sagt man sich, am besten gleich entsorgen, zumal Augentropfen ohnehin spätestens 6 Wochen nach Anbruch nicht mehr verwendet werden dürfen! Und wer hat schon ein gutes Gefühl, angebrochene Cremetuben und Fiebersaftflaschen für den Fall der Fälle aufzuheben.

Zumal die meisten Menschen ihre „Hausapotheke“ ohnehin am falschen Ort platziert haben: im Badezimmer oder in der Küche. Vielen Medikamenten bekommt die naturgemäß höhere Temperatur in diesen Räumen aber ganz und gar nicht, da Wärme die Abbaureaktionen der Wirkstoffe beschleunigt. Besser aufgehoben sind die Medikamente deshalb in kühlen und trockenen Räumen.

Flüssige Arzneimittel und vor allem Salben und Cremes können zudem bei der Anwendung mit Mikroorganismen verunreinigt worden sein, die meist gute Wachstumsbedingungen vorfinden und sich sehr stark vermehren können. Also doch am besten gleich entsorgen – aber wo und wie?

Einerseits ist man „Öko“ genug, um an die Verminderung des Verpackungsmülls zu denken. Das hieße, Umkarton und Beipackzettel zum Altpapier geben sowie Augentropfenfläschchen und Cremetube zum Beispiel in die Gelbe Tonne werfen und die Glasflasche vom Fiebersaft in den Altglasbehälter.

Aber was ist mit den Resten? Die Rücknahme von Verpackungen gilt nur, wenn diese leer sind. Eine nahe liegende Möglichkeit wäre, die Arzneimittelreste einfach in den Ausguss oder ins Klo zu kippen, den Wasserhahn oder die Spülung zu betätigen und das Problem ist aus der Welt geschafft.

Ist es aber nicht! Denn Arzneimittelreste gehören nicht ins Abwasser, da sie dort die Umwelt – beispielsweise Fische, Schnecken, Algen und andere Wasserbewohner – belasten können.

Wer wirklich guten Gewissens seine nicht mehr gewünschten Medikamente entsorgen will, bringt diese in die Apotheke zurück. Dort werden sie fachgerecht entsorgt. Ein entsprechender Hinweis ist künftig auch nach einer EU-weit gültigen Leitlinie zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von Arzneimitteln vorgesehen. Danach soll in jede Packungsbeilage folgender allgemeiner Hinweis aufgenommen werden: „Arzneimittel sollten nicht über das Abwasser oder den Hausmüll entsorgt werden. Fragen Sie Ihren Apotheker nach der Entsorgung nicht mehr benötigter Medikamente. Dies trägt zum Umweltschutz bei.“

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