Menschliche Antikörper schalten Vogelgrippe-Virus bei Mäusen aus

Gentechnische Herstellung von monoklonalen Antikörpern (© Roche Penzberg)
Man könnte sagen: Es kräht kein Hahn mehr danach. Zumindest in den Medien war es bis vor wenigen Tagen wieder recht still geworden um die Vogelgrippe. Nicht jedoch in den Forschungslabors, denn die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung des Vogelgrippevirus und womöglich dessen Übertragung von Mensch zu Mensch ist noch lange nicht gebannt. Einem internationalen Forscherteam ist es nun gelungen, mit menschlichen Antikörpern Mäuse gegen die oft tödliche Vogelgrippe zu immun machen.

Die Wissenschaftler verwendeten Antikörper von vier erwachsenen Menschen, die 2004 eine Infektion mit einem in Vietnam aufgetretenen Stamm des H5N1-Vogelgrippevirus überlebt hatten. Sie stellten daraus im Reagenzglas so genannte monoklonale Antikörper her – absolut identische „Nachkommen“ der Original-Antikörper, die sich alle gegen die gleichen Eiweiße in der Außenhülle der Viren richten. Mäuse, denen diese Antikörper gespritzt wurden, wurden daraufhin sofort für kurze Zeit immun gegen die Krankheit; genauer: Von 60 Tieren, die Antikörper in unterschiedlich hohen Dosen erhalten hatten und dann mit H5N1-Viren in Kontakt kamen, überlebten immerhin 58 eine Infektion. Dagegen waren alle infizierten Mäuse, die keine Antikörper bekommen hatten, nach wenigen Tagen an der Vogelgrippe gestorben.

Die Forscher sind davon überzeugt, dass sich diese Erfolge auch beim Menschen erzielen lassen – entsprechende Tests sollen bald beginnen. So könnte sich der Einsatz von Antikörpern bei einer weltweiten Vogelgrippen-Epidemie als entscheidend erweisen. Denn sie sind dank der modernsten Produktionsmethoden der Biotechnologien mittlerweile recht gut in großen Mengen industriell herzustellen. Und ganz entscheidend ist auch, dass sie sofort wirken und daher sowohl die Heilung bereits Erkrankter als auch die Immunisierung gesunder Menschen ermöglichen. Die schon seit Jahrzehnten gebräuchlichen Aktivimpfstoffe gegen Grippe bieten zwar im Gegensatz zur Immunisierung mit Antikörpern einen lang anhaltenden Schutz, benötigen aber mehrere Wochen, bis sie wirken – ihr Einsatz bei bereits Erkrankten ist also sinnlos.

Dass der Schutz mit Antikörpern nur für einige Monate besteht, ist aber im Falle der Vogelgrippe zunächst weniger wichtig. Denn im Ernstfall würde diese Zeit reichen, um gefährdete Teile der Bevölkerung und medizinisches Personal zu schützen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind seit 2003 weltweit 313 Menschen an der Vogelgrippe erkrankt und 191 von ihnen daran gestorben. Experten fürchten, dass sich das Virus derart verändern könnte, dass es direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dann könnte eine weltweite Epidemie ähnlich der Spanischen Grippe drohen, die 1918-19 weltweit 25 bis 50 Millionen Menschen tötete.

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